Multikulturelles Zusammenleben in Deutschland
Deutschland ist ein Einwanderungsland. Diese Erkenntnis setzte sich erst Ende der Neunziger Jahre durch. Die damalige rot-grüne Bundesregierung hatte zuerst mit ihrem Vorstoß zur Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft sowie später mit dem Zuwanderungsgesetz diese Debatte angestoßen. Das Akzeptieren dieser Tatsache war höchste Zeit: Denn nur auf dieser Basis kann die Politik auch Maßnahmen ergreifen, um das multikulturelle Zusammenleben zu fördern.
Was ist das Ziel von Integration?
Die multikulturelle Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung war in jüngerer Vergangenheit immer wieder Gegenstand einer zum Teil aufgeregten politischen Debatte. Einig sind sich fast alle Beteiligten, dass Integration das Ziel für Zugewanderte sein müsse. Problematisch ist aber, dass häufig gar nicht vollständig klar ist, wie eine solche Integration genau aussehen soll. Es gibt dabei zwei extreme Konzepte: Das eine davon, das am Weitesten geht, heißt Assimilation. Hierunter versteht man die komplette Anpassung an die Lebensweise der Einheimischen. Migranten sollen sich also von ihrem kulturellen Hintergrund entfernen. Das andere Konzept kann als Laissez-faire bezeichnet werden: Verschiedene kulturelle Einflüsse empfinden die Vertreter dieser Richtung als eine Bereicherung der Gesellschaft. Zudem sehen sie auch keine Notwendigkeit, dass verschiedene Migranten-Communities einen größeren Austausch mit den Einheimischen pflegen müssen. In Parallelgesellschaften, so sie sich gesetzeskonform verhalten, wittern sie keine Gefahr für die Gesellschaft. Mittlerweile kristallisiert sich jenseits dessen in der Integrationsdebatte ein politischer Minimalkonsens heraus: Dieser besagt, dass alle Zugewanderte zumindest die deutsche Sprache beherrschen müssen. Das Angebot an Sprachkursen und verpflichtende Sprachtests sind konkrete Maßnahmen. Zweitens müssen sich alle Migranten zum deutschen Grundgesetz bekennen. Das wird vor allem hinsichtlich jener Kulturen betont, in denen die Gleichberechtigung von Frauen und Männer abgelehnt wird.
Integration von Migranten: Deutschland ist besser als gedacht
Vor allem im Zuge der von Sarazzin angestoßenen Debatte über eine angeblich nicht vorhandene Integration von insbesondere türkischen Migranten ist offenbar geworden, dass Hysterie meist Sachlichkeit verdrängt. Es wird nämlich übersehen, dass die Integration in Deutschland gar nicht so unerfolgreich ist, wie manche das der Allgemeinheit weismachen wollen. Zu einer realistischen Einschätzung ist der Vergleich mit anderen europäischen Staaten hilfreich: So sind beispielsweise die Probleme in Frankreich wesentlich größer. Dort sind zahlreiche Gettos am Rande großer Städte zu finden, mit erheblichen sozialen Problemen, einer gravierenden Kriminalität sowie wiederkehrenden Ausschreitungen. In einem solchen Maß ist das in Deutschland nicht der Fall, selbst in Stadtteilen mit hohen Migrationsquoten wie zum Beispiel Berlin-Kreuzberg oder Berlin-Neukölln. Das liegt unter anderem daran, dass hierzulande die Beschäftigungsquote junger Migranten deutlich besser ist als in vielen anderen Staaten. Und gerade diese Kompetente wird oftmals ignoriert: Die beste Integration in eine Gesellschaft findet über einen sicheren Arbeitsplatz statt. Deshalb ist es auch wichtig, dass möglichst viele Migranten einen guten Schulabschluss und damit bessere Beschäftigungschancen haben. In diesem Punkt gibt es zweifelsohne noch Nachholbedarf. Die Politik war in den letzten Jahren aber aktiv: So wird mittlerweile viel mehr Wert auf Sprachförderung im Kindesalter gelegt
Kontakte knüpfen und gegenseitiges Verständnis fördern
Diskussionen über multikulturelles Zusammenleben neigen oft zur Eskalation. Das liegt daran, dass meist Personen mit polarisierenden Meinungen die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird und zudem mangelnde Kenntnisse der jeweiligen Lebenserfahrungen vorhanden sind. Ein multikulturelles Zusammenleben ist dann wesentlich fruchtbarer, wenn sich Menschen gegenseitig ihre persönlichen Hintergründe erzählen. Das Gespräch miteinander stellt die beste Förderung von Integration dar. Auf Bundesebene ist dies kaum zu organisieren, die Kommunen, die Nachbarschaft, die Arbeitsstelle und Vereine sind hierbei die besseren Orte.
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